Die "Lumetties"

 

Ernst Prien gilt als Vater der Lumetta - Nachtlampen. Auf seinen Namen finden sich rund um diese speziellen kleinen Lampen von 1908 bis 1911 5 DRGM's. Vermutlich ist ihm auch die Erfindung des speziellen Dochtmechanismus zuzuschreiben ist.  Vermutlich versäumte Prien zunächst die Schutzanmeldung auf den Brenner, was ihm später die Erlangung eines Patentanspruchens in Deutschland unmöglich machte. Abgesehen von Lampen finden sich weitere Schutzanmeldungen auf Haushaltsartikel wie Käsereiben und Sicherheitsflaschen ( Essig usw.)

E. Priem  war möglicherweise verwandt mit dem Inhaber des Baugeschäftes August Priem aus Köln, welches heute noch existiert.

Ursprünglich in Straßburg, Kuhngasse 17 ansässig finden sich um 1905 erste Patente und Gebrauchsmusteranmeldungen.  Ab 1908  war er in Köln wohnhaft und bezog ein repräsentatives Stadthaus in der Eifelstraße 66 welches heute unter Denkmalschutz steht.  Die Geschäftsadressen wechselten, möglicherweise durch die Expansion des Unternehmes. Am Dussesbach 4 /  Am Rudophplatz 7, Trierer Str. 3b. 

Als Geschäftsfeld wird um 1908 geführt: Export und Importgeschäft W:Wachs, Leuchtstoffe, techn. Öle und Fette, Schmiermittel, Benzin

 

 

 

Das Besondere an Priens Brennern war, das sie kein separates Dochtstellrad benötigten, und die Dochtverstellung einfach durch drehen der gesamten Galerie erfolgte. Diese Methode ist genial wie simpel und ermöglicht eine preiswerte Herstellung.  Ebenfalls auffällig ist das viele Exemplare überhaupt kein Gewinde besitzen so das ein Vasenring ebenfalls eingespart werden kann. Sie werden mit Korken direkt in das Bassin gesteckt.  Neben kleinen Nachtllampen fand das Verfahren auch an sogenannten Kerzenlampen Verwendung, kerzenförmigen Aluminiumtüllen mit aufgesetztem Brenner. 

 

Trotz dieser Sparlösungen waren diese Spar- und Nachtlichter wohl recht beliebt, insbesondere war wohl der Absatz bei der weiblichen Kundschaft erfreulich, denn die Lämpchen gab es mit attraktiven farbigen Gläsern und Formen.

 

Deutsche Schutzanmeldungen zu Lampen:

DRGM 331843 Nachtlampe mit künstlichem Blumenkelch als Lichtdämpfer.  17. 7.2.1908.

DRGM 423061 Nachtlampe.   25. 4.1910
DRGM 423062 Nachtlampe mit Kochvorichtung.   25. 4. 1910.
DRGM 423063 Nachtlampe.  25. 4. 1910.

DRGM 493362. Nachtlampe. 12.12.1911.

 

Neben deutschen DRGMs bestanden auch ausländische Patente, nachweislich in der Schweiz, Frankreich und Großbritannien . Diese bilden im wesentlichen das ab was in Deutschland nur den Schutzstatus eins DRGMs erlangen konnte. 

 

Die verschiedenen Lampen erhielten für die Vermarktung alle eigene Namen.

Die Kerzenlampen wurden unter der Bezeichnung "Unicum" angeboten, wobei sich dies primär direkt auf den Brenner bezieht.

Nachtlampen waren, je nach Bassin und Schutzglasform als " Petroleumkerze", "Lumetta" oder "Medico" im Angebot. 

 

Für "Lumetta" existierte ab 1908 eine Schutzmarkenanmeldung, und diese Bezeichnung wurde bald übergreifend für alle kleine Nachtlampen dieser Bauart verwendet.  Befeuert wurde dies durch die damals üblichen Reklamemarken und großspurige Werbung als " Sparsamste Petroleum-Nachtlampen - vollkommen geruchlos". Was bei einer Flamme in der Größe einer kleinen Kerze nicht weiter verwundert.

 

Wenig später, wohl um 1911, übernahm die Firma Müller & Gareis , Berlin SO 16  die Lumetta, und änderte den Namen auf "Mulga". Von diesem Modell sind gemarkte weiße Glasbassins bekannt. Um 1937 verliert sich die Spur dieser kleinen Lampen.


Wie oben ersichtlich sind die DRGMs nicht sonderlich aufschlussreich. Ein Abgleich kann aber unter Zuhilfenahme von einigen Katalogen und den ausländischen Patenten erfolgen.

 

 

 

 Die Informationen sind das Ergebnis einer Zusammenarbeit mit zwei weiteren Sammlern. Vielen Dank für die Unterstützung.

 

"Petroleumkerze"

 

ca. 1908-1937

 

Glasbassin und Brenner sind korrekt, Der Brenner steckt über Korken im Tank. Glas fehlte und wurde abweichend vom Original mit Perkeo Glas ergänzt.

Katalogabb. von 1911 zeigt vollständige Lampe. Sie findet sich in gleicher Ausführung auch noch 1937 in Katalogen.

 

Bemerkenswert ist das der Glasschirm im Original zur Hälfte rot gefärbt ist, damit sie neben dem Bett den Schlafenden nicht so blendete. Wohlgemerkt reden wir hier von der Helligkeit eines Teelichtes.

 

 

Brenner mit Aufschrift: D.R.G.M. * AUSL. PATENTE*

 

 

"Lumetta"

 

ca. 1908-1918

 

Glasbassing mit Gewinde für Aufschraubbrenner, Rest fehlt.

 

Katalogabbildung zeigt Ausführung mit DRGM 331843 " Blumenkelch als Lichtdämpfer", und entspricht hinsichtlich der Glasform exakt der Abbildung der 1909 erfolgten Patentanmeldung in Großbritannien. Die gleichen Patentanmeldungen von 1908 zeigen hingegen noch einen 6 blättrigen, tulpenförmigen Kelch.

" ??????" " MULGA?"

 

Bisher nicht zugeordnete Ausführung. Bassin mit gewindelosem Vasinring zur besseren Führung, Brenner mit Korken, aufwendigere Messinggalerie.

Glas vmtl. original.

 

Brennermarkung: " UNICUM *PATENDED* "

"MEDICO"

 

Glasgefäß mit geschraubtem Vasenring, Galerie und Schutzglas ebenfalls als geschraubte Ausführung.

 

Baujahr: ab 1910