Oscar Schall, Schwarzhausen in Thüringen.

Einer der Hersteller von Sturmlaternen aus Thüringen, welcher eigentlich schon völlig vergessen war und 100 Jahre nach Betriebsende sich nur mühsam ermitteln ließ.

O. Schall besaß eine Blechwarenfabrik in Schwarzhausen, welches heute ein Teil von Waltershausen ist. Interessant ist auch der geografische Kontext. Schwarzhausen ist nur einen Steinwurf von Ruhla entfernt, einem Zentrum der Blechverarbeitung, Feinmechanik und natürlich auch Sitz von Thiel & Bardenheuer.

Bisher sind 3 verschiedene Laternenmodelle bekannt, und etwa 4 Schutzanmeldungen. Beide Laternen zeigen sehr eigenständige, durchdachte Konstruktionsdetails. Hier war jemand bei der Sache, der seine eigenen Ideen einbrachte. Leider konnten bisher kaum Hintergrundinformationen gefunden werden. Lediglich der Deutsche Reichsanzeiger liefert ein paar Eckpunkte.

Das sächsische Kreisgericht in Gotha vermeldet am 21.07.1877 die Eintragung:  Die Firma O.Schall  & Comp. ; als Inhaber Oscar Schall und Herr Gottlieb Köhler. 

Und wir finden Änderungen in der Firma: Am 03.02.1904 erfahren wir vom Amtsgericht Gotha, dass der Klempnermeister Oscar Schall durch Tod aus der Firma ausgeschieden ist. Neue Inhaber sind Klempnermeister Fridolin Schall (vmtl. der Sohn), Frau Frieda Kürschner, geb. Schall (vmtl. die Tochter), Kaufmann Hermann Kürschner (vmtl. der Schwiegersohn). Die Firma wird unverändert als offene Handelsgesellschaft fortgeführt. Auch Fridolin Schall meldete Gebrauchsmuster aus dem Bereich Blechbearbeitung an, jedoch nicht für Laternen.

Vier Jahre später die nächsten Veränderungen am 04.03.1908: Die bisherige Firma erlischt, gleichzeitig wechselt der Name zu: "O. Schall Nachfahren Friedrich Ganzer", nachdem F. Ganzer alleiniger Inhaber wurde. Offenbar kam es zu einem Verkauf der gesamten Fabrik.

Die Nachfolgefirma erlöschte erst am 26.3.1925 aus dem Handelsregister. 

Oscar Schall Sturmlaterne

 

Dieses frühe Modell besitzt noch mehrteilige Luftrohre, eine Technologie welche zwischen 1890-1900 recht zügig durch einteilige Luftrohre abgelöst wurde.

Für O. Schall typisch das Design des Tankverschlusses, und die vertieft laufenden Glasheberstreben. Dem Modell fehlt der Glasschutzkorb, und es ist fraglich ob bereits die 1900 per DRGM geschützte Ausführung verwendet wurde wie an der weiter unten abgebildeten Laterne.

 

Wie man sieht sind einige Bereich schon durch oder weggerostet. Während ich früher an dieser Stelle mit Entrostung und Verzinnung eine Restaurierung durchgeführt hätte, gehe ich heute meist einen anderen Weg. Ich verzichte auf weitere Materialbelastung und unzeitgemäße Lack- und Epoxidharzbehandlungen. Die Laterne wurde nur gereinigt und mit "historisch korrektem" transparente Konservierungsmittel behandelt welches jederzeit ausbesserbar ist und... das wars.

 

Hersteller: Oscar Schall & Comp.

Ort: Schwarzhausen / Thüringen

Land: Deutsches Kaiserreich

Laternengröße: 7''

Baujahr: ca 1890-1900

 

 

 

Oscar Schall Sturmlaterne

Die Laterne ist nicht gemarkt und trug wohl auch keine Plakette. Es dauerte etwa 10 Jahre, bis völlig überraschend bei einem Sammler eine Laterne mit gleichen Konstruktionsmerkmalen auftauchte, welche zusätzlich die Nummer einer Schutzanmeldung trug.

Der Brenner wird IN die Brennerkammer gesteckt, sitzt dort auf dem inne liegenden Absatz auf. Durch Drehen des Brenners rutschen die Noppen am Brenner in die Nut und fixieren ihn.

Brennerkonstruktionen wie diese kamen insbesondere bei Schweizer Laternen gerne zum Einsatz. Das DTR ist mit einem Freizeichen versehen wie es auch Thiel&Bardenheuer, Ruhla verwendeten. Es ist unklar, ob Schall den recht komplexen Brenner womöglich aus dem nahegelegenen Ort bezog, diese Brennerkonstruktion konnte dort bisher nicht nachgeweisen werden.

 

Der Laterne fehlt der Tankdeckel, und der obere Kragen am Blaker ist abgerissen. In diesem waren die versenkt geführten Zugstreben befestigt, eine der Eigenheiten bei Schall- Laternen.

Ein originaler Tankdeckel ähnelt sehr schweizer Laternenmodellen.

 

Mit ihren zahlreichen Durchrostungen an den Luftrohren und dem Tank habe ich keine Restauration durchgeführt. Sie bekam ein starkes NaOH Bad zur Rostumwandlung, eine Runde Ultraschall und wurde anschließend mit Owatrol konserviert.